Die Tradition Sechseläuten in Zürich

Die Ursprünge des Sechseläutens gehen auf das Jahr 1818 zurück, als eine erste Zunft (Berufsverband) nächtliche Umzüge unternahm - hoch zu Ross und von Musik begleitet. Bereits im folgenden Jahr zogen mehrere Zünfte mit Musik und Fackeln durch die Stadt und 1820 gab es schon erste Ansätze eines koordinierten Umzugs. 1839 fand der erste Sechseläutenumzug statt, an dem alle Zünfte teilnahmen.


Seinen Namen hat das Sechseläuten von einer Handwerkerregelung: während im Winter die Arbeitstage wegen der schlechten Lichtverhältnisse sehr kurz waren, konnte im Frühling wieder gearbeitet werden, bis um 18 Uhr die Feierabendglocke läutete.


Zum Auftakt des Sechseläutens findet am Sonntag der Kinderumzug statt. Rund 2000 Kinder marschieren in historischen Kostümen oder Schweizer Trachten durch die Strassen Zürichs. Anders als beim Umzug der Grossen dürfen auch Kinder aus anderen Gemeinden, Kantonen und Ländern mitmachen.

Zur Vertreibung des Winters wird der Böögg verbrannt.

Am Montag findet jeweils der Zug der Zünfte statt. Die Angehörigen der verschiedenen Zünfte symbolisieren 'ihren' Berufsstand, obwohl die wenigsten Zünfter heute noch in den Berufen tätig sind, aus denen die Zünfte ursprünglich entstanden sind. Die Zünfter (Frauen sind nicht zugelassen) sind Angehörige alter Zürcher Familien und eng mit der Stadt verbunden. Die einzigen Auswärtigen, die am Zug der Zünfte mitmarschieren dürfen, sind geladene Gäste: dies sind Vertreter/innen des Ehrenkantons (jedes Jahr wird ein anderer Kanton eingeladen) und verschiedene Ehrengäste.

Seit 1862 wird zum Abschluss des Sechseläutens der so genannte 'Böögg' verbrannt. Punkt 18 Uhr wird ein über drei Meter hoher und 80 kg schwerer, mit Feuerwerkskörpern gefüllter 'Schneemann' angezündet. Wenn der Kopf des Bööggs explodiert, gilt der Winter als offiziell beendet. Je schneller dies der Fall ist, desto heisser und länger wird der Sommer, sagt man.
Im diesem Jahr dauerte das Spektakel genau 04:58 min.

Hintergrund

Böögg heisst der weisse Strohmann, welcher am Sechseläuten als symbolische Wintervertreibung verbrannt wird.

Je schneller der Böögg verbrennt, desto schneller soll der Sommer beginnen und dementsprechend auch länger und sonniger ausfallen... sagt der Volksmund.

Der Böögg steht auf einem 13 Meter hohen Holzstoss, welcher um genau sechs Uhr (Sechseläuten) angezündet wird.

Während der Verbrennung reiten die Reitergruppen von Constaffel und Zünften in der jährlich wechselnden Reihenfolge des Umzuges dreimal um den Böögg. Während des «Umrittes» spielt das jeweilige Zunftspiel den Sechseläuten-Marsch (das Weggen-Spiel als einzige den Weggen-Marsch/«Feurige Bomben») und die Kinder und Zünfter jubeln ihren Reitern begeistert zu, wenn diese vorüberreiten.

Der am Kinderumzug mitgeführte Böögg wird übrigens nicht – wie gemeinhin angenommen – jeweils im darauffolgenden Jahr verbrannt. Da die Böller und Feuerwerkskörper bereits beim Zusammenbau des Bööggs platziert und eingebaut werden müssen, ist es technisch gar nicht möglich, einen fertigen Böögg nachträglich zu «laden». Der zu verbrennende Böögg ist also immer ein neuer oder im Notfall ein Ersatzböögg; der am Kinderumzug mitgeführte ist jedes Jahr der gleiche.