Alkohol: Sucht, Abhängigkeit und seine Folgen.

Der Alkohol wird meist nicht als die eigentliche Ursache des Familienproblems gesehen.
Zuerst verneinen der Alkoholiker und seine Familie, dass er Alkohol missbraucht,
später, dass er davon abhängig ist. Wenn die Abhängigkeit größer und augenscheinlicher wird,
erscheint der Alkohol zwar als Störfaktor, nicht aber als die Ursache für ihre Probleme.

Irgendwer oder irgendetwas ist an dem Alkoholkonsum schuld.
Das Verhalten des Alkoholikers, der immer wieder betont, dass jemand anders an seinem
Trinkverhalten schuld sei, und damit versucht, die Verantwortung  jemandem in der Familie
aufzulasten, wird von der Familie sehr schnell übernommen. Der Sündenbock kann seine Frau,
der Schwager, seine Arbeit, der Chef, seine schwierige Kindheit, seine Arbeitskollegen oder
eine ungehorsame(r) Tochter oder Sohn sein. Häufig macht sich der auserwählte Sündenbock
diese Selbsttäuschung zu Eigen und ist überwältigt von Gefühlen der Schuld oder Wertlosigkeit.
Der Partner entschuldigt das Verhalten des Alkoholikers aufgrund seiner eigenen Unzulänglichkeit
in der Art: „Was ihm dort in der Firma zugemutet wurde, der ganze Stress, dieser unentwegte
Leistungs- und Konkurrenzdruck, das war ja auch wirklich sehr viel“.
Schließlich tat er das alles ja auch für uns, für seine Familie, dass er da regelmäßig abends Alkohol trank,
um abschalten zu können, das konnte ich gut verstehen.

Der Alkoholkonsum des Abhängigen ist das Wichtigste im Familienleben.
So ausgesprochen, würde jede Familie diese Regel leugnen, doch ist sie von außen gut sichtbar.
Der Alkoholiker ist darauf versessen, seinen Bedarf zu sichern, die Familie darauf abgerichtet,
dies zu boykottieren. Er versteckt die vollen Flaschen, die Familienmitglieder suchen danach
und schütten sie aus. Er lagert sie, seine Gegenspieler versuchen, das Haus alkoholfrei zu machen.
Es ist wie ein Fußballspiel: jeder will den Ball haben, nur spielen die Angehörigen und der
Abhängige in verschiedene Richtungen.

Nichts darf geändert werden, koste es, was es wolle.
Jeder hat Angst vor einer noch größeren Katastrophe und hält deshalb am Jetztzustand fest.
Das macht es auch so schwierig, rechtzeitig Hilfe zu vermitteln. Die Familie des Alkoholikers
hält zusammen, das Leiden kann seinen Lauf nehmen. Es spielt keine Rolle, dass dadurch
Familienmitglieder (Bruder, Schwägerin, usw.), Freunde oder gute Bekannte geopfert werden.
Mir ist es anfangs schwer gefallen, mich von Ihnen zu trennen, ich hatte Mitleid mit der Betroffenen Familie.
Für mich und meiner Familie war und ist es das Beste.

Niemand will darüber reden, was in der Familie geschieht.
Familienmitglieder von Alkoholikern reden weder miteinander noch mit Außenstehenden über die Alkoholprobleme. Vor allem der Alkoholiker fühlt sich bedroht und versucht zu vermeiden, dass außerhalb der Familie Leute wahrnehmen könnten, dass etwas nicht in Ordnung ist. Der Grad der Abhängigkeit und das Ausmaß der Folgen für die Familie werden vertuscht, so gut es eben geht.

Niemand sagt, was er wirklich fühlt.
Diese Regel haben alle Mitglieder einer Alkoholikerfamilie verinnerlicht- und sie sind daran gewöhnt, sie strikt einzuhalten. Der Alkoholiker ist mit sich und seiner seelischen Pein so beansprucht, dass er die schmerzlichen Gefühle seiner Familie nicht wahrnehmen, geschweige denn damit umgehen kann. Dies macht die ganze Sache für ihn noch schlimmer. So fordert er, direkt oder indirekt, dass jeder seine Gefühle verleugnet. Es wird kaum noch richtig miteinander gesprochen, der Abhängige hat sozusagen alle mit seinem Verhalten infiziert.
Diese unausgesprochenen Familienregeln lassen die Grenzen zwischen dem Alkoholiker und seinen Angehörigen diffus und verschwommen erscheinen.
Sie verhindern, dass Angehörige ein klares Bild von sich selbst bekommen können.
 
                      Alkohol ist ein hervorragendes Lösungsmittel:

Es löst Familie, Ehen, Freundschaften, Arbeitsverhältnisse, Bankkonten, Leber u. Gehirnzellen auf.
 
                     
Es löst nur keine Probleme.